Selbstmanagement – Praxistipp 6

Quadratisches Postit mit der Aufschrift: Nein sagen! handschriftlich, unterstrichen, Vektor, freigestelltWer „NEIN“ sagen will muss „JA“ sagen lernen!

Ja sagen? Zu was denn bitte? Und wieso überhaupt Ja-sagen lernen?

Gehen wir einen Schritt zurück: Das Problem des NEIN-Sagens liegt darin, dass es eigentlich keinen Grund gibt, zu einem Angebot oder Wunsch anderer NEIN zu sagen. Zumindest dann nicht, wenn ich nicht weiß was ich wirklich will.

Die Gründe JA zu sagen wiegen dagegen schwer: Erstens wollen wir alle mehr oder weniger gemocht oder sogar geliebt werden. Und die meisten sind davon überzeugt, dass dies leichter geschieht, wenn wir JA zu den Anliegen der anderen sagen. Zweitens sind die Angebote von außen üblicherweise attraktiv unterfüttert und Wünsche anderer gut begründet.

Wozu also Ja sagen lernen? Es gilt, ohne wenn und aber Ja zu sagen zu den eigenen Wünschen, Zielen und zu den eigenen Hauptaufgaben. Je klarer meine Vorstellung vom eigenen Leben und Arbeiten ist, desto leichter fällt es mir zu Prüfen.

Viele von uns fürchten, dass Nein sagen unhöflich und unkollegial wirkt. Doch niemand wird von Ihnen ernsthaft erwarten, dass Sie jeden Wunsch erfüllen. Wo also ist die Grenze? Wie stellen Sie es am Geschicktesten an, andere nicht zu brüskieren? Ein schroffes „Nein“ ohne Begründung führt in der Tat zu Verstimmungen. Wenn Sie dagegen positive Signale an Ihren Gesprächspartner senden und zum Beispiel erklären, weshalb Sie nicht helfen oder etwas übernehmen können, wird Ihre Ablehnung leichter akzeptiert.

Nein sagen ohne andere vor den Kopf zu stoßen ist eine Kunst. Entsprechend häufiger anzutreffen ist allerdings die unsensiblere brüskierende Art. Es ist auch die, die Angst macht, zumindest Angst machen sollte unter menschlichen Wesen, als die wir uns bezeichnen.

Wenn wir unsere Praxistipps schreiben, stehen wir immer vor demselben Problem, nicht in die Tiefe gehen zu können. Deshalb stellen wir Ihnen vier  operationale Schritte für ein sinnvolles Nein zur Verfügung. Wissend, dass es sich um eine technische Anleitung handelt, die immer nur eine Krücke bleiben wird, wenn die innere Haltung dazu fehlt.

  1. Zeigen Sie echtes Verständnis für das Interesse des anderen.
  2. Erläutern Sie Ihre eigenen Interessen, Ihre Wünsche und Gefühle.
  3. Begründen Sie, weshalb sie den Wunsch ablehnen.
  4. Bieten Sie – wenn möglich- eine Alternative an, zum Beispiel einen anderen Termin oder eine andere kompetente Person.

Und hier noch ein Tipp für einen Sonderfall, wenn Sie Kollegen und Mitmenschen „abwimmeln“ möchten, die Ihre Gutmütigkeit ausnutzen. Da gibt es die zwei Seiten: die einen die tun, die anderen die zulassen. Ein altes Sprichwort sagt: „Gutmütigkeit ist ein Stück von der Liederlichkeit“. Wir sprechen hier von einer Gutmütigkeit, die Sie – sofern sie nicht als Fähigkeit gelebt wird – hindert, zu sich und Ihren Interessen zu stehen und diesen auch adäquate Worte zu geben. Auch hier wieder einige operationale Hinweise bei unberechtigten Forderungen an Sie:

  1. Machen Sie Ihrem Gegenüber klar, was Sie empfinden.
  2. Erklären Sie ihm, warum Sie sich ärgern, und erläutern sie Ihr Interesse.
  3. Zeigen Sie ihm, welche Folgen es für Sie hat, wenn Sie auf seine Wünsche eingehen.
  4. Schließen Sie das Gespräch mit der Bitte ab, dass Ihr Gegenüber sein Verhalten ändert. Bleiben Sie dabei ruhig und freundlich.

Viel Erfolg und eine gute Zeit!

Gundula und Christian Velemir-Sorger